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Kultur auf Föhr
St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Beginn und Entwicklung der Grabsteinkunst
Zuerst waren es fliesenähnliche Sandsteinplatten, mit einer Bohrung, in der ein Holzstab oder Walknochen Halt fanden, um die Platte in schräger Lage aufstellen zu können. Dann kamen die größeren "Bremer Steine" auf, die man aus den Steinbrüchen bei Bremen (in den meisten Fällen als Rohlingeff) nach Föhr holte. Erst nach 1700, als mit dem Wahlfang (wie man annimmt) ein gewisser Wohlstand auf die Insel kam, wurden aufrechtstehende Grabsteine Brauch. Oft konnten die Hinterbliebenen eines Verstorbenen erst Jahre nach der Bestattung den Stein setzen lassen,
wenn sie finanziell dazu in der Lage waren (wobei man auch mal einen älteren Stein abschleifen und mit einer neuen Inschrift versehen ließ).

Die Steinmetzen und Bildhauer
Die Grabsteine wurden zumeist von einheimischen Kunsthandwerkern hergestellt, z.B. in Oevenum und Alkersum. Auf einer Grabplattenrückseite stehen einige Buchstaben und das Wort "ALVABET. Man darf hier vermuten, daß es sich um eine Probiertafel aus der Werkstatt eines Steinmetzen handelt.

Die Bildersprache der Reliefs
Die bildliche Darstellung und das Rahmenwerk auf einem Grabstein dienten nicht nur der Zierde. Sie geben im Stil des Barock und Rokoko (nach Kupferstich-Vorlagen aus der Zeit) symbolhaft Auskunft über Lebensauffassung, Beruf, Rang und Familie des Toten. Wir sehen Engel, Sinnbilder der Gerechtigkeit, des Glücks, die Zeichen von Glaube, Liebe und Hoffnung' stolze Schiffe, Mühlen und oft den Familienbaum. Die Tulpen darin bedeuten männliche, die sternförmigen Blumen weibliche Famitienmitglieder. Geknickte Blüten zeigen, daß die Betreffenden vor dem Bestatteten gestorben waren.

St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Inschriften
Sie erzählen in eindrucksvoll verdichteter Sprache von ergreifend schlichten oder schweren Schicksalen. Und wir erkennen: Was in einem (auch sehr langen) Menschenleben wesentlich ist, läßt sich tatsächlich auf einer ca. 160 x 70 cm großen Steintafel aufschreiben! Am Anfang steht oft ein Leitspruch oder ein Bibelvers. Erfolge eines Verschiedenen werden genau aufgezählt. Der nicht so Glückliche wird wenigstens ob seiner Ehrbarkeit gelobt. Und immer bat man um den Segen Gottes fur den dahingegangenen, in kunstvoll gestalteten Abktürzungen, siehe wie folgt:

J.S.G.G.S. = Ihren Seelen Gott gnädig sei
D.S.G.G.S. = Deren Seelen Gott gnädig sei
I.S.S.G.G. = Ihrer Seele sei Gott gnädig
D.S.G.G.I. = Deren Seelen Gott gnädig ist
G.S.S.S.G. = Gott sei seiner Seele gnädig.

Mit der vergnügten Ehe, von der man auf einigen Grabsteinen lesen kann, ist nicht etwa eine
lustige Ehe gemeint. Nach altem Sprachverständnis war das Vergnügen mehr ein sich-Begnügen mit einem Eheleben, in dem man die Dinge gelassen nahm, wie sie kamen.

Einblick in das Volksleben
Auf den ganz alten Grabsteinen von Nieblum wird man keinen Adelsnamen finden, nur solche von Fischern, Kapitänen, Müllern u.ä. und deren Familienmitgliedern. So gewinnen wir, wie kaum sonst, einen ebenso tiefen wie weit zurückreichenden Einblick in eine rein rfbürgerlicheff Dorfgeschichte, die sich aus anrührenden Einzelschicksalen
zusammenfügt.

Die folgend abgebildeten Grabsteine von Nieblum
Von den 265 historisch wertvollen Grabplatten und Grabsteinen wurden 24 besonders bedeutsame Exemplare abgebildet.
Da die alten Inschriften nicht mehr leicht lesbar sind, wurden sie in heutiger Schrift, wiedergegeben, und zwar möglichst Zeile um Zeile und in originalgetreuer Schreibweise. Denn Sie sollen mit diesem kleinen Buch in der Hand den Text Wort für Wort erkennen und mitlesen können. Mit Hilfe des Lageplans auf der letzten Umschlagseite werden.




Leitspruch: Dich krönte Gott mit freuden

Bildwerk: Barocke Ornamente, Mühlenmotiv über dem eine Metallkrone eingesetzt war.

Text: Bis zum frohen Auferstehungestage ruhen
allhier die irdischen Übereste des vieljährig
gewesenen Sagemüllers Peter Friedrichs aus
Nieblum. Er ist im Jahre 1754 den 25ten Decembr.
auf Langeneß geboren und hat in seinem 10jährigen
Wittwerstande mit vielen Widerwärtigkeiten
ka(m)pfen müssen. Nach ausgestandener 8wöchiger
Krankheit entschlief er den 11ten Februar 1817.

Spruch: Sollt ich mich vor dem Tode scheun?
Mich nicht vielmehr der Hinfahrt freun?
Nicht deiner, der du mich erschufst
Begierig warten? wenn du rufst.

Bildwerk: Beide Steinhälften sind mit floralem Ornament im Kopfteil

Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Die Stele (griech Säule, Grabsäule schmale aufrechtstehender Grabstein) aus Sandstein ist der für die Inselfriedhöfe klassische Grabstein des 18. und 19. Jahrhunderts geworden, und sie wird z.T. bis heute verwendet. In der Bekrönung enthält die Stele meist eine bildhafte Darstellung die häufig von einem Spruchband umgeben ist. Dann folgte in Text, der ausführliche Lebensweg des Verstorbenen schildert. Im unteren Bereich findet sich oft ein
Spruch oder eine weitere bildliche Darstellung. Viele Stelen sind im Laufe der Zeit abgeschliffen und neu beschriftet worden, wobei die alte Bekrönung jedoch meist erhalten blieb, einige waren früher sogar farbig bemalt, was stellenweise auch noch heute erkennbar ist.

Die Fliese  besteht aus rotem Sandsteind, er im Solling oder im nördlichen Westfalen gebrochen wurde. Sie hat in der Mittte eine Bohrung und wurde mit Hilfe eines Dübels an einem senkrecht in das Erdreich eingelassenen Stück Holz oder Walkieferknochen befestigt. Einige Fliesen sind an der Kirche in der Nähe des Turmes aufgestellt.

Zu erwähnen wären noch die wenigen klassizistischen Steine vom Beginn des 19. Jahrhunderts, die sich auf dem  Friedhof fast wie Fremdkörper ausnehmen. Sie verzichten auf biographische Weitschweifigkeit und sind in ihrem figürlichen Schmuck schlicht erhalten und vom Geist jener Zeit geprägt. Erst in neuerer Zeit hat sich auch auf den Inseln der Grabstein aus poliertem Granit durchgesesetzt, der nur die Namen der Verstorbenen und ihre Lebensdaten nennt. Trotzdem entschließt sich immer wieder einmal eine Familie, eine neue Sandsteinsteile in Auftrag zu geben oder die Rückseite einer alten zu verwenden.


unten Bildwerk: Beide Steinhälften mir floralem Ornament im Kopfteil

ALLHIER RUHET
DIE NUNMERO SEEL:
THOR NICKELSEN
AUS NIEBLUM
GEBOREN A° 1672
D. 30 OCT. GESTOR
BEN A° 1757 D. 24
DECEMB IHRES AL
TERS 85 JAHR 8
WOCHEN

ALLHIER RUHET
NUNMEHRO SL.
NICKELS ADIES
AUS NIEBLUM
GEBOHREN A° 1667
D. 5 JAN. GESTOR
BEN A° 1737 D. 8.
SEPT. SEINES AL
TERS 69 JAHR 46
WOCHEN

Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr
Bildwerk: 2 Rundmedaillons nebeneinander: gekrönter Berg / Arm + Hand / einen Rosenzweig haltend
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Linker Text:
ANNO 1709 D. 12. DECEMB
IST DER WOHLEHRENVESTE
VORACHTBARE NAHMEN
ANDERSEN AUS OVENUM SELIG
IM HERREN ENTSCHLAFFEN
SEINES ALTERS IM 69. JAHR.
LEICHTEXT ROMERN 8. CAP.
ICH HALTE ES DAFÜR DAS
DIESER ZEIT LEIDEN DER
HERRLICHKEIT NICHT WERTH
SEY DIE AN UNS SOLL OFFEN
BAHRET WERDEN.

Rechter Text:
A9 1692 DEN 29 MAY IST
DIE EHR U. TUGENTSAHME FRAU
KRASSEN NAHMEN ANDERSEN
AUS ÖVENUM SELIG IN IHREM
ERLÖSER EINGESCHLAFFEN
IM 53 JAHR IHRES ALTERS.
TEXTWORTE PHILIP. 3
UNSER WANDEL ABER IST IM
HIMMEL VON DANNEN WIR AUCH
WARTEN DES HEILANDES
JESU CHRISTI DES HER
REN

Schlußspruch:
WAS UNVERGÄNLICH IST, SUCHT DIE IHR STERBLICH SEID

BLEIBT IN DEM GLAUBEN FEST, LAST TUGEND FRÜCHTE SEHEN.

VERLANGET HIMMELAN, DA FERNE NOTH UND LEID

DA WAS MIT GOTT VEREINT, AUCH EWIG WIRD BESTEHEN.

DER WIRD DIE EHRENKROHN EUCH DERMAHLEINS AUFSETZEN

UND EUCH IN SEINER HAND, MIT SCHMUCK UND LICHT ERGETZEN

Leitspruch: Oft stürmt der Wind, die Wellen toben der Seeman fleht, das Schiflein kracht,
JEHOVA hört s, und sieht von oben, bedräuet Wind und Meer, und spricht: seid sacht.

Bildspruch: Hallelujah nach 3 Theit dieser Welt, auf Schiffe mancherart / bin ich durch dich geleit fast 36 Jahr gesegnet und bewahrt.

Text:
Gedächtniß - mahl des ehrsamen
Rörd Knuten in Nieblum,
(we)lcher das Licht dieser Welt den 3.Oct.1730 erbli
(ck)et und 2 mahl nach anweisung umstehender Seite ver
mählet, hat sich ao 1744 des See-Berufes gewidmet,
in welchem er unter göttlicher Direction von der nie
drigsten bis zur höchsten Charge, sowohl auf den
Grönlandischen Wallfisch-fang als andere Kauffahrdey
Schiffen gedienet, die göttliche Vorsicht hat er bey Beschiffung
des grösesten Theils des Nord Erd und Wasser-Kogels
Venerieren*) und bey abwechselnden Schicksalen
bekennen müssen; Der Herr hat grosses an mir gethan.
nach einer 36 Jah. Seefahrt, u. 20 Jäh. Schifferschaft resignirtel'x) er
im 50 LebensJahre, erfuhr aber auch das unruhige
des besten Landlebens, daher sehnete er sich nach der vollkomenen
Ruhe, wozu er einging den 3l May 1812 alt 81 Jahr.
*) Venerieren = heilig verehren
**) Resigniren = seinen Abschied nehmert

Bildwerk: Schiff in schwerer See, betender Seemann links, der Finger Gottes rechts oben
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

HIR RUHET DIE
S. ELSABE
NICKELSEN AUS
ALCKERSUM IST
GESTARBEN 1727
DEN I NVE G-L 55 J
I.S.G.G.S

ANO
1669 IS
NECKELS NA
MENS SAHLIH
GESTORVEN UND
LIHT ALHIR BIGRAVEN
SIN OLDER IM 69 JAR
SIN SELE HEFT HE IN
GADIS HANT BIFALEN

ANNO
1684
AM 18. APRIL
IS S TOR NICKEL
SEN IM HEREN INT
SLAPEN ER OLDER 82
JAHR ER S G G IS

Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Der Friedenshafen ist erreicht

Text:
Nach einem bewegten Leben. und zeitlicher Trennung ru-
hen in Frieden unter diesem Grabhügel die irdischen Überreste
des ehemaligen Schiffscapitains Peter Rickerts in Nieblum
und seiner 4 Ehefrauen. Er wurde geboren in Nieblum den 5ten
Septbr. 1775 und widmete sich von seinem 10. Lebensjahre an der
Seefahrt. Er trat den 23sten Jan. 1801 in den heiligen Ehestand
mit Kerrin geb. Erken daselbst, aus welcher Ehe zwei Töchter ent
sprossen sind. Den 3Osten Septbr. 1804 wurde ihm diese Gattin
durch den Tod entrissen, in einem Alter von 27 Jahren.

Zum 2ten Male knüpfte er das Band der Ehe mit Terke, einer
Schwester der Versrorbenen, den 28sten Juni 1805, diese Lebens-
gefährtin mußte er indeß den 10ten April 1818 durch den Tod gleich-
falls verlieren. Sie starb in einem Alter von 48 Jahren und 8
Monaten ohne Leibeserben zu hinterlassen.

Den 6. März 1819 verheirathete er sich zum 3ten Male mit Thur,
geb. Erken aus Nieblum, welche der Herr zu sich rief den 5ten
Mai 1825. Die Verstorbene erreichte ein Alter von 50 Jahren
und hinterließ keine Leibeserben. Die letzte Ehe mit Keike, Wittwe
des Lorenz Erken aus Nieblum, wurde geschlossen den 3ten Februar
1826 und durch einen Sohn und eine Tochter gesegnet. Er starb den
llten April 1854 in einem Alter von 78 Jahren 9
Monaten und 6 Tagen. Sie wurde den 29. Mai 1788
geboren und folgte ihren beiden vorangegangenen
Ehegatten in die Ewigkeit . . .

Rundmedailon mit einem Anker, auf dem zwei Vögel sitzen
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr
(...übriger Text des eingesunkenen Steines nicht mehr lesbar)
Leitspruch: Hier ist gut seyn
Grabstein auf dem Friedhof der St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr

Allhier ruhen die gebeine der sel: Frau
Sissel Siemens aus Nieblum, welche
Aô 1743 den 23sten Octbr: in Alckersum
gebohren. Ihr Vater ist gewesen Dress
Andressen und die Mutter Junger Ehlen
Drefsen. Aô 1765 den 22sten Novbr: ist sie in
den heil: Ehestand getreten mit dem damaligen
Commandeur Siemen Tückis aus
Wrixum, mit welchem sie bis in das 17te
Jahr in einer vergnügten und zärtlichen Ehe
gelebet, und in währender Zeit mit selbigem 5 todt
gebohrne Kinder und einen lebendigen Sohn gezeu=
get. Sie hat sich bei der Nachwelt ihrer Tugenden
und ihres Wandels wegen einen währenden Ruhm
erworben und ist Aô 1782 den 16ten Jun. in die ewige
Ruhe eingegangen, brachte also die Zeit ihrer
Pilgerschaft auf 39 Jahr weniger 4 Monate u. 7 Tage.

Im Kranz:
Da ich ein we
nig vor euch über
kam da fand ich den mei
ne Seele liebet. Ich halte
ihn und will ihn nicht
lassen.

Bildwerk:
In einer großen Halle ("Himmelssaal")
sitzt eine Frauengestalt mit Blumen.
Neben ihr Christus, der ihre Hand
faßt und ihr mit seiner Linken eine
Krone reicht. Stadthäuser rechts und
links der Szene.

Anmerkung zur Schrift:
Aus dem Stein herausgearbeitete erhabene Buchstaben (so wie hier) waren schwieriger und darum auch teurer herzustellen. Ein einziger "Fehlschlag" des Steinmetzen war, wenn überhaupt, nur schwer zu korrigieren. Einfacher und darum preiswerter waren vertiefte Buchstaben.

Die St. Johannis in Nieblum auf Föhr ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche in der Ortschaft Nieblum (friesisch: Njiblem) und gehört zum Amt Föhr-Amrum auf der nordfriesischen Insel Föhr. Die Kirchengemeinde umfasst neben Nieblum auch die Dörfer Oevenum, Midlum, Alkersum, Borgsum und Witsum.

Die
St. Johannis Kirche in Nieblum ist vor den beiden anderen mittelalterlichen Kirchen auf Föhr, die Kirche St. Laurentii in Süderende und der Kirche St. Nicolai auf Föhr in Boldixum (ein Ortsteil von Wyk auf Föhr) der älteste und größte Kirchenbau der Insel Föhr. Die Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nach Christus gebaut, vermutlich auf dem Gelände einer früheren Kirche.

Das Langhaus
der Kirche sowie das südliche Querschiff wurden im Romanik Stil mit einer Flachdecke erbaut. Der nördliche Teil des Querschiffs wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in gotischer Form erbaut. Das hatte zur Folge, dass das südliche Querhaus der Symmetrie wegen gotisch umgestaltet wurde. Das Langhaus der Kirche hingegen hat man nicht mehr umgestaltet. Die damaligen Bauherren begnügten sich damit, die Wand um ein Drittel zu erhöhen. Die Flachdecke der Kirche ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.
Die St. Johannis Kirche der Insel Föhr soll ebenso wie die Kirchen in Keitum auf Sylt, die alte Kirche auf Pellworm und die Kirche in Tating auf Eiderstedt im 11. Jahrhundert von einem Baumeister entworfen worden sein. Jjedoch liegt zwischen den ersten Überlieferungen und den tatsächlichen urkundlichen Belegen ein Zeitraum von ca 200 Jahren. Die St. Johannis Kirche in Nieblum wird erstmals im Jahre 1100 geschichtlich erwähnt.

Von 1435 bis 1721 war
die Insel Föhr politisch geteilt in Osterland Föhr und Westerland Föhr. Der westliche Teil der Insel Föhr unterstand dem dänischen Königshaus, der östliche Teil der Insel Föhr gehörte den Herzögen von Schleswig-Gottorf. Die St. Johannis in Nieblum gehörte genau wie die St. Nicolai Kirche in Boldixum zum östlichen Teil der Insel, während St. Laurentii Kirche in Süderende das geistliche Zentrum des westlichen Inselhälfte bildete.
Die Grenze zwischen Osterland und Westerland Föhr verlief durch den Westteil der Gemeinde Nieblum, was zur Folge hatte, dass die eigentlich zum Nieblumer Kirchspiel St. Johannis gehörenden Orte Witsum, Goting und Borgsum zu Westerland-Föhr gezählt wurden.
Ungeachtet dieser Trennung wurde die Reformation lutherischen Bekenntnisses aber in beiden Teilen der Insel Föhr eingeführt.

Die Lage der Kirche befindet sich im Norden der Gemeinde Nieblum auf der Insel Föhr, zwischen Borgsum und der Stadt Wyk. Der sogenannte Friesendom, die größte Dorfkirche in Schleswig-Holstein, wie sie auch genannt wird, liegt auf einer geographischen Nord-Süd-Achse mit der Kirche St. Severin in Keitum auf Sylt im Norden, der Alten Kirche auf Pellworm und der heute auf dem Festland liegenden Kirche St. Magnus in Tating auf der Halbinsel Eiderstedt als südlichster Punkt.

Die Kirche
St. Johannis liegt relativ zentral auf dem Kirchfriedhof, auf einem erhöhten Hügel am Übergang von der Geest zur tiefer gelegenen Marsch, am nördlichen Dorfeingang der Gmeinde Nieblum. Die Kirche liegt gute vier Meter über dem Meeresspiegel und fünf Kilometer westlich des Hauptortes Wyk auf der Insel Föhr. Der weithin sichtbare Kirchturm ist mit einem Satteldach gekrönt. Von Seeseite aus kann man die drei wuchtigen Vierkant-Kirchtürme der St. Johannis-Kirche und ihrer beiden Schwesterkirchen von weither sehen, die sich über die überwiegend ebene Landschaft der Insel Föhr erheben.

Schon seit dem Jahre 1240 sind alle drei Kirchen auf der Insel Föhr urkundlich und geschichtlich erfasst. In der vorreformatorischen Zeit war die St. Johannis Kirche auf Föhr die Hauptpfarrkirche der nordfriesichen Inseln Föhr und Amrum, was anderseits Größe und Ausstattung der Kirche erklären könnte.
Im 14. Jahrhundert amtierten ein Priester und sieben Diakone in der St. Johannis Kirche von Nieblum. Möglicherweise war die Kirche sogar Sitz eines Bistums. Auch der kreuzförmige Grundriss der Kirche, der für Landkirchen der Zeit nicht üblich war, lässt den Schluss auf eine herausragende Stellung der Kirche schließen. Im Land Schleswig war sie zur damaligen Zeit der Errichtung die zweitgrößte Kirche Schleswigs. Der baulichen hervorgehobenen Bedeutung entspricht die volkskundliche Bezeichnung des Baus. Die St. Johannis Kirche in Nieblum wird allgemein damals wie huete als Friesendom bezeichnet. Nach dem Bau der Kirche St. Nicolai in Boldixum auf Föhr wurde das Zuständigkeitsgebiet der St. Johannis Kirche deutlich verkleinert. Die Orte Boldixum und Wrixum gehörten von da an zur Kirchengemeinde St. Nicolai Boldixum.

Der
Namenspatron der Kirche war in der vorreformatorischen Zeit Johannes dem Täufer geweiht. Auch nach Einführung der Reformation auf der Insel Föhr, die um ca. 1530 abgeschlossen war, wurde keine Umbenennung der Kirche vorgenommen, obwohl die evangelische Konfession die Heiligenverehrung im Umfang der vorreformatorischen Kirche nicht kennt.

Der heute kreuzförmige Backsteinbau der Kirche besteht in seiner Form seit dem 13. Jahrhundert und besitzt einen frühgotischen Kirchturm. Die Südwand der Kirche beherbergt ein Tympanonrelief des Vorgängerkirchenbaus, wie man es in vielen westeuropäischen Kirchenbauten des 12. und 13. Jahrhunderts finden kann. Der mittelalterliche Bau der einschiffigen Kirche ist durch ein Querschiff und einen dreigeschossigen Turm, sowie ein langgestrecktes Kirchenschiff, und den abgesetzten quadratischen Chor, und eine niedrige Apsis gekennzeichnet.

Der 32 Meter hohe
Kirchturm, mit dessen Bau im frühen 13. Jahrhundert begonnen wurde, war ursprünglich außenseitig optisch aufwändig gegliedert, bei späteren Restaurierungen wurden dann die gliedernden Eckwandstreifen und Spitzbögen verblendet. Der Kirchturm ist ursprünglicher Bestandteil der Kirche und wurde zusammen mit der Kirche erbaut. Dies steht im Gegensatz zu den beiden Schwesterkirchen der Insel Föhr in Boldixum und Süderende, deren Türme späteren Epochen zugeordnet werden. Die Mauern des Kirchturms sind aus Tuffstein, einem porösen vulkanischem Material aus der Eifelregion, die nach außen mit Backsteinen verblendet wurden. Die Mauern des Turms sind auf Erdniveau ca. 2,5 m stark, in Höhe des Satteldaches messen die Muaern noch ca. 1,80 m Wandstärke.

Die Fenster auf der Südseite des
Kirchenbaus wurden in späterer Zeit vergrößert, um mehr Licht in die Kirchenräume zu lassen. Die Fenster auf der Nordseite der Kirche wurden verkleinert und verringert. Die Fenster der Kirche sind durchgängig spitzbogig, was einen gotischen Einfluß auf die vorgenommenen Umbaumaßnahmen des ausgehenden Mittelalters bezeugt.
Die
St. Johannis Kirche öffnet sich mit zwei erhaltenen Ein-und Ausgängen auf der Südseite zur Gemeinde hin. Das Süderportal der Kirche befindet sich im letzten Drittel des Langhauses. Das ehemalige gegenüberliegende Norderportal existiert leider nicht mehr. Am südlichen Ende des Querhauses dieser Kirche ist ein weiterer Eingang in einen barocken Vorbau, der sich unter einer von 1688 über der Tür angebrachten Sonnenuhr befindet. Die an der Nordseite des Chors angebaute Sakristei stammt aus spätgotischer Zeit.

Das Baumaterial im Sockelbereich weist ältere, behauene und wiederverwendete Granitquadersteine aus einer Vorgängerkirche auf. Die Aufmauerung erfolgte landestypisch mit Backsteinen im Klosterformat (28 x 13 x 8 cm). Vielfach findet man auch kleinere Ziegelformate, die von späteren Restaurierungsversuchen zstammen. Im Zuge der Restaurierungen seit 1964 werden nur noch die ursprünglich verwendeten Formate verarbeitet.

Dadurch das die St.Johannis Kirche d
em rauen Nordsee-Klima, dem hohen Salzgehalt in der Luft und auch anderern häftigen Witterungsereignissen ausgesetzt ist, bedarf es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufwendige Restaurierungen. In einzelnen Mauerteilen sind zum Teil Backsteinformate verwendet worden, die von der ursprünglichen Ausstattung deutlich abweichen.
Schon im 14. Jahrhundert musste die westliche Hälfte des südlichen Langhauses der Kirche erneuert werden. 1662 wuren Teile des Vierungsgewölbes nach einem Einsturz erneuert. In den Jahren 1964 und 1970/71 wurden große Teile des Blendmauerwerks großflächig mit Ziegeln erneuert, die ursprüngliches Maße aufweisen. Die aufwendigen Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen dauern bis Datum weiter an.

Seit dem Jahr 2006 wird die
St. Johannis Kirche weiter renoviert und Schritt um Schritt wieder in Stand gesetzt. Im Laufe dieser Arbeiten wurden einige Teile des Daches erneuert und zu weiten Teilen auch die Fassade wiederhergestellt, sowie andere dringend notwendige Erneuerungen zum Erhalt der Bausubstanz durchgeführt. Bis heute beanspruchten diese Erhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen erhebliche finanzielle Mittel von weit über einer Million Euro, die von der Kirchengemeinde selbst, einem Förderverein, der Europäischen Union, der Nordelbischen Kirche und Stiftungen aufgebracht werden musste.

Der komplette Dachstuhl
der Kirche mit einer Größe von 1050 Quadratmetern wurde mit Blei belegt. Eine Drainage sorgt jetzt für eine Trocknung des Kirchengebäudes, das lange Zeit unter Wasser und Feuchtigkeit zu leiden hatte. An einigen Stellen fehlt noch etwas Putz, der entfernt wurde, um die Trocknung des Mauerwerks zu fördern.
Das
geschädigte Mauerwerk wurde von außen Stückweise entfernt und die geöffneten Stellen umgehend wieder mit Backsteinen im ursprünglichen Format verblendet. Das Baumaterial besteht aus Backsteinen in fünf verschiedenen Formaten sowie einer speziell zubereiteten Mischung, die von einer dänischen Ziegelei aus Egernsund nördlich von Flensburg geliefert wird.

Die Innnenausstattung der St. Johannis Kirche ist optisch durch die Verputzung in weißer Farbe bestimmt. Die Grenze zwischen dem großen Langhaus und dem in vorreformatorischer Zeit den Geistlichen vorbehaltenen Ostteil der Kirche mit Chor und Altarraum im Apsisbereich wird durch einen Chorbogen markiert.
Das Langhaus
der Kirche ist mit einer einfachen Holzdecke versehen, während die Decken der östlichen Bauteile der Kirche gewölbt sind. Nach dem Einsturz des Vierungsgewölbes im Schnittpunkt zwischen Lang- und Querhaus wurden die Bögen und ihre Vorlagen deutlich verstärkt.
St. Johannis
Kirche verfügt bis heute über eine für Inselverhältnisse recht prächtige Innenausstattung.

Im Jahr 1974 wurden die Gewölberippen und Gewölbescheitel entsprechend vorgefundener Farbmuster wieder in den Originalzustand erneuert. Den Besuchern bietet sich eine zurückhaltende aber deutliche Strukturierung der Innenansicht, die Raumwirkung bezieht einen Hauptteil ihrer Kraft aus der sparsamen Farbverwendung in gedeckten Erdtönen auf weißem Untergrund. Alle plastischen Bögen sind mit langstieligen vierblätterigen Blumen verziert.

Die Bestuhlung besteht ebenerdig im Langhaus aus zwei Bankblöcken mit Mittelgang.
Die Aufnahmekapazität des Kirchenhauses wurde durch eine eingezogene Empore auf der südlichen Seite des Langhauses vergrößert.

Die Gottesdienste in evangelischer Tradition mit ausführlichen, langen Kirchenmusikeinlagen verlangen nach bequemen Sitzplätzen für alle Besucher des Gottesdienstes. Um diese Nachfrage zu befriedigen, wurden im Laufe der Zeit durch Einbau von Emporen weitere Kirchenbänke geschaffen. Ausserdem wurden die Nebenaltäre aus vorreformatorischer Zeit dann entfernt. Die Empore an der Nordseite des Langhauses wurde genauso wie die Orgelempore, die um 1660 eingerichtet wurde, auf eisernen Stützen gestellt. Die Bühne im nördlichen Querhaus kam im späten 18. Jahrhundert dazu, wodurch sich die Kapazität dort verdoppelte. In der südlichen Langhausseite gibt es eine bemalte Loge in der Nische aus dem Jahr 1772.

Der
Altar der Kirche stammt aus dem Jahr 1487 und es handelt sich dabei um einen fünfflügeligen Marien-Krönungs-Altar im spätgotischen Stil. Der Schreinaltar der Kirche besitzt bemerkenswerte Ölgemälde auf den Flügelaußenseiten, die einige Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons Johannes des Täufers zeigen.
Im aufgeklappten Zustand zeigt der Altar insgesamt 16 Figuren aus der christlichen Ikonographie. Im Zentrum steht Maria, die von Johannes dem Täufer zu ihrer Linken gekrönt wird. Die Figur des Johannes, dem Namenspatron der Kirche St. Johannis, wird zur Rechten Seite Marias wiederholt, was die Bedeutung der Patronatsfigur deutlich steigert.
Der
Kirchenaltar ist wegen der zentralen Stellung Marias als vorreformatorischer Marienaltar anzusprechen. Rechts neben dem krönenden Johannes steht vom Betrachter aus gesehen ein Papst, wahrscheinlich Silvester I. (314 bis 335) mit Papsttiara. Der Altaraufsatz stammt höchstwahrscheinlich aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, also zeitlich vor der Reformation, die 1530 auf Föhr eingeführt wurde. Links und rechts schließt sich neben den Hauptfiguren die Darstellung der Apostel an. Die Darstellungsweise des Innenteils orientiert sich an einer überkommenen Bildsprache, während die dem Betrachter nicht sichtbaren Vorderseiten der beiden außen liegenden Flügel zeitgenössisch gestaltet sind. Hier zeigen zwei Darstellungen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers in moderner niederländisch-realistischer Malweise.

Auf dem Altaraufsatz
der St. Johannis Kirche ist eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe zu sehen. Der Altaruntersatz, die Predella, lässt in der Mitte eine Nische frei, in der in vorreformatorischer Zeit die Monstranz während der Messen gezeigt wurde. Die beiden Gemälde auf dem Altaruntersatz zeigen zwei Szenen aus dem Leben Jesu Christi, die Fußwaschung und das heilige Abendmahl.

Die Orgel der St. Johannis Kirche wurde 1838 auf einer 1660 eingezogenen Orgelempore eingerichtet. Die zeitgenössische Erweiterung erfolgte zwischen 1976 und 1978 mit 33 Registern und vier Werken und kostete zur damaligen Zeit ca. 380.000 DM. Orgelbaumeister war der 1988 verstorbene Detlef Kleuker, der für eine Firma mit Sitz im Bielefelder Ortsteil Brackwede arbeitete.

D
ie Kirche verfügt über zwei Kanzeln. Die ältere der beiden Kanzeln liegt ebenerdig im südlichen Chor und ist relativ schmucklos. Der herausragenden Bedeutung der Predigt in der evangelischen Liturgie entsprechend, wurde 1618 eine Schmuckkanzel im Stil der Renaissance in Form einer kleinen Empore am Ende des südlichen Langhauses vor dem Querhaus eingerichtet. Die Position der Kanzel garantiert allen Gottesdienstbesuchern sowohl im Lang-, als auch im nördlichen Querhaus freien Blick auf den Pastor und gute akustische Bedingungen.

Diese zweite Kanzel wurde von Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfekt van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Pastor der Gemeinde von 1604–1629) gestiftet und zeigt die Heilsgeschichte Jesu Christi. Sie ist aus der Werkstatt von Heinrich Ringerink aus Flensburg, woher mehrere gleichartig gebaute Kanzeln im norddeutschen Raum stammen. Die gearbeiteten Flachreliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi wurden in der Werkstatt vorgefertigt und gemäß der Bestellung des Auftraggebers nachträglich in die hierfür offen gehaltenen Wandfelder der Kanzel geklebt.

Die Szenen in der Nieblumer Kirche stellen Sündenfall, Verkündigung an Maria, Geburt Jesu, Anbetung der Könige, Jesu Taufe, Kreuzigung, Auferstehung und Jüngstes Gericht dar. Das Flachrelief mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts ist eine Sonderanfertigung für die Nieblumer Kirche, die sich nur hier findet. Sie ist an der Kanzelseite angebracht, die frontal den Gottesdienstbesuchern des Langhauses gegenüberliegt und gewinnt durch diese Platzierung das mit Sicherheit beabsichtigte Gewicht.

Die Mitte des Darstellungszyklus nimmt die Taufe ein, die Johannes an Jesus Christus vollzieht – angesichts der reservierten Haltung, die die evangelische Tradition den Patronatsheiligen entgegenbringt, eine immerhin bemerkenswerte Hervorhebung des Namensgebers der Kirche.
Die dargestellten Szenen werden am Sockel und am Schalldeckel der Kanzel durch Bibelzitate in niederdeutscher Sprache kommentiert. Die Pilaster zwischen den Flachreliefs sind mit Abbildungen der Apostel versehen. Engelsgesichter, Zapfen und Fruchtdarstellungen runden den Schmuck der Kanzel ab.


Taufstein der Kirche:
Das romanische Granit-Taufbecken, aus einem Findling herausgearbeitet, ist das älteste Inventarstück der Kirche und wurde um 1200 gearbeitet. Er gehört kunsthistorisch zu den wichtigen Arbeiten der Romanik im norddeutschen und skandinavischen Raum. Die mächtige Kuppa, die Höhlung zur Aufnahme des Taufwassers, sitzt auf einem ovalen, geschrägten Sockelstein. Der Stein ist außen mit zwei Szenen figürlich ausgeführt:

Ein Ritter greift ein Mischwesen, halb Löwe, halb Schlange an, das seinerseits einen Menschen, der sich an einem Baum festklammert, bereits zur Hälfte verschlungen hat. Auf der gegenüberliegenden Seite des Steins fallen zwei Löwen über einen Menschen her, der wiederum auf einem Ungeheuer sitzt. Gegenstand beider Darstellungen ist der Kampf des Guten und des Bösen um die Menschenseele. Der Lebensbaum und der Ritter symbolisieren die Mächte des Guten, die diesen Kampf nur mit Hilfe der Taufe auf den dreieinigen Gott zu einem siegreichen Ende bringen können.

Die archaische Symbolik, verbunden mit der kunstvollen Darstellung auf knapp bemessenem Raum der Oberfläche des Taufsteins, wird einen bleibenden Eindruck nicht nur auf zeitgenössische Gottesdienstbesucher haben.
Ähnliche Taufsteine wurden auch in Kirchen auf dem Festland vorgefunden. An einigen davon konnten Farbreste festgestellt werden, so dass nicht auszuschließen ist, dass auch der Nieblumer Taufstein ursprünglich bemalt gewesen ist.

Ursprünglich wurden die Täuflinge unter Anrufung Gottes, Christi und des Heiligen Geistes dreimal in die in der Regel mit Bleiblech ausgekleidete Höhlung des Steins getaucht. Eine neue Kirchenordnung in Gebiet Schleswig-Holsteins änderte diese Praxis: ab dem Jahr 1542 war nur mehr ein dreimaliges Begießen des Kopfes vorgesehen, was zur Folge hatte, dass eine Taufschale in die Öffnung des Taufbeckens eingehängt wurde, die wesentlich weniger Taufwasser aufnehmen musste. Diesen Dienst versieht bis heute eine Taufschale aus dem 17. Jahrhundert, die mit Hilfe einer Haltevorrichtung in den Taufstein eingehängt wird.


Figur Johannes des Täufers
Plastik Johannes des Täufers

Der Namenspatron der Kirche ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die in der Südostecke des Chors aufgestellt ist und mit einer Größe von 2,75 Meter den Kirchenraum beeindruckend dominiert. Sie steht auf einem Steinsockel und ist zurückhaltend farbig ausgeführt. Die Bemalung stammt von einer Restaurierung aus dem Jahr 1980, wobei auf vorgefundenes älteres Farbschema zurückgegriffen wurde.

Johannes steht mit Bibel und Lammfigur predigend auf dem Rücken eines kleinen Manns, der als König Herodes identifiziert wurde. Johannes erhebt sich demzufolge sinnbildlich auf Grund seines Wirkens übermächtig über den Mann, der ihn nach biblischer Überlieferung hinrichten ließ.
Der Eindruck einer etwas ungelenken Handhaltung rührt daher, dass an der Figur spätere Attribut-Ergänzungen vorgenommen wurden, die ursprünglich vom Künstler nicht vorgesehen waren. Bibel und Lammfigur, die für Jesus Christus steht, wurden später ergänzt; der Kreuzstab, den Johannes ursprünglich führte, fehlt. Das Werk stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Sieben Relieffiguren

Die Figuren sind in zwei Gruppen geteilt: Die Apostel Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts sind am nördlichen Chorbogen zu finden, eine Gruppe mit drei Frauendarstellungen (die Heilige Barbara, die Heilige Maria mit Kind und die Heilige Dorothea) sind an der Westwand des südlichen Querschiffs angebracht, der Heilige Michael befindet sich nördlich am Bogen zwischen Vierung und Langhaus. Eine Heilige Katharina steht schließlich östlich am Bogen zwischen Vierung und südlichem Querschiff und stammt etwa aus dem Jahr 1520.

Sakramentsschrank:
Ein reichgeschnitzter Schrank zur Aufnahme der Abendmahlsutensilien befindet sich in einer Nische links der Apsis.

Epitaph:
Ein Nachrufbildnis für Ingwer Siewertsen Jacobs aus dem Entstehungsjahr 1613, das ursprünglich in der Kirche von Königsbüll auf Alt-Nordstrand hing, wurde nach dem Verlust der Kirche infolge der Zweiten Manndränke 1634 nach Nieblum gebracht und ist jetzt an der Ostwand des südlichen Querschiffs zu finden. Der Künstler dieses reichdekorierten Werks ist der Holzschneider Heinrich Ringering, aus dessen Werkstatt auch die Prachtkanzel der Kirche stammt.


Friedhof:
Da St. Johannis die Pfarrkirche für viele umliegende Dörfer ist, verfügt die Kirche auch über einen sehr großen Friedhof, der sie vollkommen umgibt. Er ist von Bäumen gesäumt. Wie auf zahlreichen andere Friedhöfen in Nordfriesland erzählen auch hier die teils prächtigen sogenannten Sprechenden Grabsteine die Geschichte der Seefahrer aus Nieblum und dem umliegende Orten. Wie auf den beiden anderen Kirchfriedhöfen von Föhr besitzt auch der Friedhof der Kirchengemeinde St. Johannis viele Grabsteine aus der Barockzeit, die ihren kunstwissenschaftlichen Ruf durch prächtige Ornamentik und kunstvolle Schriftgestaltung verdient haben. Zirka 250 der alten Steine stehen zum größten Teil noch auf ihren Originalplätzen, nur einige wenige sind ihres Werts wegen, in den Schutz des Kirchenraums gestellt worden.

Die Grabsteine berichten dem Besucher in hoch- oder plattdeutscher bzw. in lateinischer Sprache oft ausführlich vom Lebensweg der Beigesetzten. Der Reliefschmuck der Grabmäler ist oft sehr umfangreich ausgeführt, die Formen wiederholen sich nicht. Oft sind Bilder mit Szenen aus der Heiligen Schrift Hauptmotiv eines Steins, oft sind aber auch die Verstorbenen oder – bei Seefahrern – Schiffe abgebildet. Gemeinsam ist den Darstellungen, dass sie von einer unverbrüchlichen Glaubens- und Heilsgewissheit zeugen, die in der Figur des oft abgebildeten Jesus Christus ihr vornehmstes Symbol finden.

Eine besondere Ikonographie-Tradition hat sich im floralen Motiv erhalten: Der Mann und die Söhne der Familie sind auf dem Grabstein linkerhand in Tulpen-ähnlichen Blumen aufgeführt, die Frau und die Töchter rechterhand in Form von vierblütigen Blumen. Eine geknickte Blume weist darauf hin, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Entstehung des Grabsteins bereits verstorben war. Die Häufigkeit dieses Motivs bezeugt die hohe Kindersterblichkeit früherer Jahrhunderte.


Legenden:
Der Einführung der Reformation stellte sich angeblich ein Diakon der Kirche entgegen, der sich – um die Richtigkeit seines katholischen Glaubens zu beweisen – 1524 bei Flutzeit auf einen Ritt nach Amrum wagte. Er teilte vorher mit, er werde nicht lebend zurückkehren, wenn die neue evangelische Konfession die richtige sein. Beim Rückweg von Amrum fiel er vom Pferd und brach sich das Genick, worauf der Einführung der Reformation auf Föhr nichts mehr im Wege stand.


Hier finden Sie einen Auszug aus der Beschreibung des Altars in der St.Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr.

Wenn man die St. Johannis Kirche in Nieblum auf Föhr besucht, so fällt einem sofort der prachtvolle Schnitzaltar auf. Wahrscheinlich stammt dieser aus einer lübschen Werkstatt aus den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts und ist wenig später auf die Insel Föhr gekommen. Da der Altar ein Marien-Krönungs-Altar ist, so sagt man, dass der Altar sicherlich noch vor der Reformationen auf die Insel gelangte, sonst hätte man sicher ein anderesa Motiv für den Altar gewählt.

Der Altar zeigt im geöffneten Zustand nach alter Tradition eine einzige Reihe Figuren, die auf einem durchgehenden Sockel mit Fischblasenmaßwerk unter einzelnen Baldachinen stehen. Im Zentrum des Altars sitzen Maria und Christus. Die Mutter Jesu hat andächtig geschlosssene Augen und die Hände zum Gebet zusammen gelegt. Christus mit seiner goldenen, aus Kreuzen gefertigte Krone und der Weltenkugel in der Hand, setzt Maria die Himmelskrone auf.

Neben den beiden Mittelfiguren sind auch die anderen Stifterfiguren zu sehen.
Links von Maria postieren sich Johannis der Täufer, Namenspatron der Kirche.
Rechts neben Chistus findet man den Nachfolger auf dem Stuhl Petri, der Papst Sylvester, der zwischen 314 und 335 im Amt war.
Auch die anderen vier Personen im Mittelteil des Altars sind deutlich zuzuordnen.
Auf dem linken Mittelteil stehen auch noch Petrus und Andreas, und auf der rechten Seite stehen Paulus und Jacobus.
Im linken Schrein stehen von aussen nach innen, Matthäus, Bartholomäus, Judas und Simon.
Im rechten Schrein des Altars stehen von aussen nach innen, Matthias, Philippus, Thomas und Johannes.

Da der Altar schliessbar ist, verfügt er über zwei Tafelbilder auf den Aussenseiten. Es sind Ölgemälde aus dem 15. Jahrhundert und stellen Szenen aus dem Leben des Täufers da.
Auf dem Linken Tafelbild des Altars steht Johannis hinter einem Rednerpult, und wird umringt von mittelalterlich gekleideten Zuhörerinnen und Zuhörer. Die damalige Botschaft des Predigers ist auch in heutiger Zeit voller Gültigkeit.
Auf dem rechten Tafelbild des Altars sehen Sie den Vater Zacharias, der als Priester im Tempel von Jerusalem eine Begegnung mit dem Engel Gottes hatte, was daraufhin sein Leben veränderte.
Der Engel sprach zu Zacharias, denn dein Gebet ist erhört und Deine Frau Elisabeth wird Dir einen Sohn gebären, und Du sollst ihn den Namen Johannes geben.
Der Nichtglaube des Zacharias gegenüber dem Engel beschied ihm Stummheit. Erst nach Geburt des Kindes und der Namensgebung (Johannes) wurden die Stummheit genommen.

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