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Kultur auf Föhr

Eine Vogelkoje (aus niederländisch: kooi „Käfig, Verschlag, Stall“, hochdeutsch: Koje; auch Entenkoje) ist eine Entenfangeinrichtung an der Nordsee.

Pellwormer Vogelkoje

Aufbau und Funktion

An den Ecken eines künstlichen Teichs wurden meist vier „Pfeifen“ angelegt, die mit Netzen überspannt wurden. Am Ende waren Reusen. Mit Hilfe von gezähmten Lockenten wurden während des Vogelzuges Wildenten in diese Reusen gelockt, wo sie vom Kojemann oder Kojenwart, der die Koje wartet und betreut, „gekringelt“ bzw. „geringelt“ wurden, das heißt es wurde ihnen der Hals umgedreht.

Geschichte

Die ersten Entenkojen wurden in den Niederlanden im 16. Jahrhundert eingerichtet. Außerdem gab es in England Entenkojen. Ab etwa dem 17. Jahrhundert erbauten Adelige auch Antenkojen im Münsterland, so zum Beispiel in Landersum. Seit dem 18. Jahrhundert wurden nach niederländischem Vorbild auch auf den Nordfriesischen Inseln Vogelkojen eingerichtet. Die meisten Vogelkojen in Nordfriesland wurden im 20. Jahrhundert wieder geschlossen. Bis heute sind einige Vogelkojen erhalten; sie dienen meist touristischen Zwecken. Auf Föhr werden noch heute in einzelnen Vogelkojen Enten gefangen.

Die Enten wurden nicht nur zum frischen Verzehr gefangen, sie wurden auch eingepökelt und in Fässchen exportiert.


Vogelkojen bzw. Entenkojen in der Region Uhtlande

Entenkojen gibt es auf allen Inseln der Region Uthlande. Die Geschichte der Entenkojen ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität und des Naturpotentials. Auf Pellworm, Amrum, Föhr und Sylt gibt es Entenkojen die für Gäste geöffnet wurden um den Aufbau, Funktion und Geschichte, sowie den wirtschaflichen Stellenwert in der Vergangenheit aufzuzeigen. Gleichzeitig sind die Entenkojen ein wichtiger Naturraum auf den Inseln mit besonderer Pflanzen und Tierwelt. Auf der Insel Föhr sind zwei (geschlossene) Kojen als Naturdenkmal anerkannt worden. Diese „geschlossenen“ Kojen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Vogelzüge. Das Projekt „Entenkojen in der Region Uthlande“ will einen Beitrag dazu leisten, dass das Wissen über die Geschichte und den heutigen Stellenwert der Entenkojen wächst.


WAS IST EINE ENTENKOJE

Eine Entenkoje ist eine Lebend-fanganlage für Wildenten. Eine Kojen-anlage ist etwa 2,5 ha groß und mit einem breiten Wassergraben umgeben, damit fremde Menschen (und Tiere) den Kojenfang nicht stören können. Der Zugang erfolgt über eine Klappbrücke. In der Mitte der Kojenanlage ist der Kojenteich von etwa 3000 qm gelegen. Von dem Kojenteich gehen 4 bis 6 leicht gebogene, sich verengende Wassergräben, die so genannten Fangpfeifen ab. Die Pfeifen sind mit Maschendraht überspannt, an den Seiten stehen Reetschirme als Sichtschutz für den Kojenwärter. Am Ende ist der Fangkasten für die Jagdbeute. In früheren Jahren waren die Vogelkojen Massenfanganlagen, es wurden tausende Wildenten gefangen und die Kojen waren von großer wirtschaftlicher Bedeutung für ihre Region. Es gab auf Föhr und auf Amrum eine Wildenten-Konservenfabrik.

Vogelkojenpfeife

DIE BOLDIXUMER ENTENKOJE
Die Boldixumer Entenkoje wurde als letzte der insgesamt 6 Föhrer Entenkojen errichtet: Am 12. April 1876 erhielt eine Interessengemeinschaft bestehend aus 11 Personen von der Königlichen Regierung in Schleswig die Konzession für Bau und Nutzung einer Koje zum Fang von Wildenten. Kurze Zeit später, am 23. April, erwarben die späteren Betreiber das jetzige Kojengrundstück „Deichweerum“. Zur Finanzierung des Projekts teilten sie die Koje in 8 Parten (Anteile).
Weil der Abstand dieser neu genehmigten Koje zur Oevenumer Vogelkoje als zu gering angesehen wurde, entwickelte sich ein langer Rechtsstreit. Am 28. Februar 1881 erhielten die 11 Boldixumer Interessenten dann endlich die Genehmigung zur Fertigstellung der Kojenanlage.
Heute ist die Vogelkoje nicht mehr in Betrieb. Sie hat aber noch 2 symbolisch hergerichtete Fangpfeifen, einen zentralen Teich sowie das Kojenhaus. 2 weitere Fangpfeifen sind nur teilweise erhalten. Aus einer eigenen Verbundenheit heraus sowie mit dem Beweggrund, die Öffentlichkeit über das Prinzip einer Entenkoje am Ort des ursprünglichen Geschehens informieren zu können, hat sich eine Pächtergemeinschaft gebildet. Diese kümmert sich um den Erhalt und die Pflege der Koje und freut sich über jede/n interessierte/n Besucher/in.

Öffnungszeiten: In der Saison ist täglich von 10-12 Uhr geöffnet. Genaueres erfahren Sie beim Info-Dienst der Tourismus GmbH Wyk.

ENTENKOJE KAMPEN -SYLT
Um den Besuchern den Entenfang anschaulich darzustellen, wurden der Fangteich, eine der ehem. ,vier Fangpfeifen und die Fangreuse originalgetreu wieder hergerichtet. In den rekonstruierten Kojenwärterhäuschen informieren Ausstellungen über die Vogelwelt der Insel und die Geschichte des Entenfanges und der Vogelkojen. Ein Lehrpfad zeigt den Besuchern die artenreiche Vegetation des Kojenwaldes. Ein Teil des Geländes ist als Naturschutzgebiet der Öffentlichkeit nicht zugänglich und dient der Tierwelt als Brutstätte und Rückzugsgebiet. Der Besucher des Geländes hingegen hat die Möglichkeit, vom Rundweg über den Deich aus die Aussicht zu genießen. An klaren Tagen reicht die Sicht bis zum deutschen und dänischen Festland.

Öffnungszeiten: Ostern bis Pfingsten tgl. 13-16h,
Pfingsten bis Sept. tgl. 10-16h
Oktober tgl. 13-16h, November – März geschlossen.
Infos bei der Sölring Foriining, Tel. 04651- 32805

DIE AMRUMER ENTENKOJE
Die Vogelkoje wurde im Jahre 1866 zwischen Nebel und Norddorf angelegt, und zwar nach dem Vorbild der Kojen auf Föhr.
Die Koje wurde auf Rechnung einer Interessengemeinschaft angelegt, die 80 Anteile verkaufte. Damit der Anteil möglichst vielen zugute kam, wurde festgelegt, daß eine Person nur zwei »Lose« erwerben durfte. Ferner wurde bestimmt, daß nur Insulaner Anteile besitzen sollten.
Jedes Dorf hatte seine festgelegten Fangtage. Die Vorsteher der einzelnen dörflichen Kojengemeinschaften holten abends den Tagesfang ab und verteilten die Enten auf die einzelen Lose. Gefangen wurden in der Amrumer Vogelkohje vor allem Spießenten, daneben Pfeifenten und Krickenten. Nach Ausweis der Kojenbücher wurden von 1866 bis 1936, dem Jahr der Stillegung, rund 420 000 Enten gefangen. Aber in den letzten Jahren lohnte der Fang nicht mehr. Rücksichtslose Ausbeutung und die Unruhe des wachsenden Fremdenverkehrs zwangen zur Aufgabe des Entenfanges.
Heute ist die Vogelkoje ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste geworden. Ein Tiergehege mit Rotwild, schnatternde Enten und Gänse, sowie das intakte Pfeifensystem der Koje können über das ganze Jahr besichtigt werden.

DIE PELLWORMER ENTENKOJE
Das Land auf dem die Vogelkoje steht, wurde 1904 für 9000 Goldmark erworben. Nach Erhalt der Konzession wurde am 5. Dezember 1904 in Husum die Pellwormer-Vogelkojen GmbH gegründet. Baubeginn war am 2.Februar 1905, Fertigstellung am 1. August 1905. Es wurden ca. 10000 Bäume gepflanzt, Ulmen, Eschen, Pappeln, Linden, Weißdorn, Eichen, Holunder und Obstbäume.
Die Entenkoje hatte 6 friesische Spiegelnetzpfeifen. Auf der rechten Seite der Pfeifen war ein Erdwall, auf der linken Seite die Reetkulissen. Unter dem Spiegel waren Drahtstäbe in einem Abstand von 20 cm schräg zum Fangkasten gesteckt, damit die herabfallende Enten ihre Flügel nicht mehr ausbreiten konnten. Durch eine Klappe war der Rückweg zur Pfeife versperrt, somit krochen die Enten in den Fangkasten. Abends wurde der Tagesfang mit dem Motorboot von Anton Godbersen nach Wyk in die Konservenfabrik gebracht.
Seit dem Jahr 2000 ist die Entenkoje im Besitz der Gemeinde Pellworm und wird durch den Naturschutzverein „Mittleres Nordfriesland“ betreut. Im Jahr 2005 sind umfangreiche Maßnahmen durchgeführt worden, um das Kulturerbe Entenkoje in seinem Ursprung zu erhalten.

Öffnungszeiten: Ganzjährig, Führungen: von Mai bis Oktober 14 tägig. Informationen: Naturschutzverein Mittleres Nordfriesland Tel. 04844/ 698


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